Schwarze Flaggen - Bericht 2006

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Die 217 schwarzen Flaggen und die 298 schwarzen Punkte erzählen die Chronik der „Krankheit“, an der unsere Küsten leiden. Diese Krankheit ist sehr weit fortgeschritten und weist sehr eindeutige und offensichtliche Symptome auf: Schädigung der Ökosysteme an den Küsten und ihrer Ressourcen, Identitätsverluste der Küstenorte, Küstenerosion, Landschaftsverschandelung, Eutrophierung der Gewässer...

Dies ist zurückzuführen auf verschiedene infektiöse Prozesse, die sich ausbreiten und sich an den verschiedenen Küstenstreifen ansiedeln. Die kranke Küstenregion ist schwer gezeichnet durch schwerwiegende Veränderungen und Verkünstlichung des Bodens durch den allgemein übertriebenen Drang nach Entwicklung, der sich in städtebaulicher Erweiterung äußert, in Anlagen zur touristischen Nutzung, Hafenanlagen, Transportnetzen, intensiver Landwirtschaft, Wellenbrechern zum Schutz von Stränden und Wohnanlagen vor Erosionsprozessen...

Die Daten über Schäden durch Städtebau und ihre Auswirkungen, erhoben aus 371 daraus entstandenen Unregelmäßigkeiten an allen spanischen Küsten, sprechen für sich! Wir haben hier 132 Fälle im ganzen Küstengebiet in Zusammenhang mit Städtebau, Spekulation, Änderung der Einstufung von „nicht bebaubarem“ Grund, Bau neuer Wohnanlagen, Anlagen für touristische Zwecke... Zu diesen Fällen sind die 71 hinzuzuzählen, die die Beugung der Küstengesetze durch Eindringen seitens öffentlicher Stellen zeigen, den Bereich der Dienstbarkeit zum Schutze, und die Schaffung von architektonischen Panoramas.

Dieses Modell bedroht die Ökosysteme und versetzt diese und die Küstenressourcen in einen Zustand schwerwiegender Schädigung. Dazu muss gesagt werden, dass diese Zerstörung nicht einmal Halt macht weder vor Naturschutzgebieten (ENP) noch vor den durch die geltenden Umweltschutzgesetze geschützten Arten, (seien es regionale, nationale oder EU-weit geltende Gesetze), wie die 221 Fälle von direkter Schädigung von Naturschutzgebieten und von durch geltende Umweltschutzgesetze geschützten Arten zeigen, gekennzeichnet durch die verschiedenen schwarzen Flaggen und schwarzen Punkte. Der südliche Küstenstreifen der Halbinsel weist von diesen 221 Fällen die meisten auf, 99, dicht gefolgt von der Levante mit 70 Fällen, alle durch schwarze Flaggen gekennzeichnet.

Auf der anderen Seite beschleunigt die Tatsache, dass man gleichzeitig die Küstenstreifen neu bebaut, anstatt Bauten in bereits existierenden Siedlungen zu konzentrieren, den Erosionsprozess, an dem die gesamte Küste Spaniens allgemein leidet. Dies zusammen mit neuen Hafenanlagen (58 im Bericht genannte), deren Molen ebenfalls den Erosionsprozess verstärken, versetzt die gesamte Küste in einen sehr empfindlichen Zustand.

Um diese Krankheit und ihre infektiösen Prozesse zu kontrollieren und zu bekämpfen, bemühen sich die Verwaltungen, ständig Heilmittel zu erfinden, um das „Unwohlsein“ der in diesem Gebiet lebenden Bevölkerung zu mindern und vor allem das der Besucher. Diese Arzneitränke sehen z.B. so aus:

-  Erneuerung der Strände, die in den meisten Fällen keine Beseitigung von Umweltschäden in dem Gebiet vorsieht. Die Verwaltungen haben bereits das schwerwiegende Problem, das wir an der Küste haben, erkannt, und der Generaldirektor zuständig für die Küsten, José Fernández präsentierte uns vor einigen Monaten den Direktivenplan für die Nachhaltigkeit an den Küsten, in dem er das Modell vorstellte, das in den nächsten fünf Jahren an der spanischen Küste eingeführt werden soll. Seine Hauptziele sind Kontrolle der Küstenrückbildung (neue Vermarkungen und Rückkauf von Konzessionen), Enteignung in kritischen, von Erosionsprozessen bedrohten Gebieten und der Schutz und der Wiederaufbau der Küstensysteme. Aber die Präsentation enthielt kein Dokument, aus dem die Kriterien hervorgingen, denen das Ministerium folgt. Außerdem hält sich das Umweltministerium z.Zt. nicht an diese Kriterien, da z.B. an der galizischen Küste Maßnahmen gegen die erheblichen Erosionsprobleme der Küsten von der Investition von 20,7 Millionen Euro für Erneuerung von Stränden bis hin zu 30,17 Millionen Euro für Strandpromenaden gehen. Dies bedeutet ein weiteres Mal, dass die durch Menschen verursachten Beschleunigungen der Erosionsprozesse nicht berücksichtigt werden. Diese Zahlen sind weit höher als die 20 Millionen Euro, die das Umweltministerium zum Schutze der Küsten in Grundstücke investieren will. Um einen weiteren Punkt zu diesem Thema hinzuzufügen: wir fanden 132 Fälle von Stranderneuerung, Bau von Strandpromenaden und mechanischer Reinigung, veranlasst durch die Stadträte, von Stränden, die sich vor Dünengebieten befinden. Diese Maßnahmen verursachen in den betreffenden Bereichen Umweltschäden und verstärken den Erosionsprozess.

-  Bodenschutzgesetze mit dem Ziel, das Chaos der Siedlungskrankheit zu lindern(?). Übrigens, sie ist weit verbreitet im Levantegebiet und an der Costa del Sol und infiziert nach und nach langsam auch die Gebiete, die bis vor kurzem noch nicht erheblich verschmutzt waren, wie der Golf von Cádiz oder die Küstenstreifen Kantabriens und Galiziens, als meist verschmutzte Region.

-  Grund-Ordnungspläne und Städtebaupläne, die im Falle der Stadträte auch noch dazu dienen, eine weitere „Krankheit“ zu kurieren, die Finanzierung der Städte. Die Städte nehmen durch städtebauliche Abkommen, die in diesen Plänen enthalten sind, zwischen 30 und 65 % ihrer Finanzierung ein.

Im Fall der regionalen Verwaltungen dienen diese Pläne dazu, oftmals das bestehende Chaos der lokalen Siedlungskrankheit zu „regulieren“ und zu „legalisieren“.

Im Falle der Abwassereinlässe, dem Krebs der Meeresanwohner, sehen wir, dass trotz dass wir uns an der Schwelle zu einem geringfügigen von der EU vorgesehenen Schutz der Gewässer befinden, die spanischen Behörden ernsthafte Defizite aufweisen, wenn es darum geht, die Normen anzuwenden, Wasserqualität zu gewährleisten und die Gesundheit der Umwelt und der Menschen zu respektieren. Es ist nämlich so, dass die kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen nicht berücksichtigen, dass die Umweltzerstörung und die Beeinträchtigungen der Gesundheit der Badegäste die abschreckenden Hauptelemente sind, die den Geldfluss, die der Tourismus bedeutet, versiegen lassen.

In diesem Bericht werden die Ambitionen einiger weniger aufgezeigt, entgegen sozialer Interessen und länderübergreifender Verpflichtungen. Es werden 157 Punkte genannt, wo umweltverschmutzende Abwassereinlässe unterschiedlicher Art existieren, die es nicht geben dürfte.

Die Rahmen-Direktive 2000/60 für Wasser der EU stellt ein eindeutiges Umweltziel auf: der „gute Zustand des Wassers“, sowohl über- als auch unterirdisch, und gibt einen Rahmen für die koordinierte Anwendung jeglicher Gesetzgebung vor, die es zum Schutz des Wassers gibt. Obwohl man auch sagen muss, dass die Frist für die Einhaltung dieses Zieles bis zum Jahr 2015 läuft.

Etwas näher, was die Einhaltung der Fristen angeht, liegt die Direktive 91/271 über die Behandlung von städtischen Abwässern. Diese wurde unter gleichem Namen durch den Königlichen Beschluss 11/1995 auf unsere internen Regularien übertragen. Beide verpflichten zum Sammeln und Klären der gesamten städtischen Abwasser ab dem 1.1.2006.

Die Kläranlagen in Touristengebieten sind nicht ausgelegt für die durch den Bevölkerungsanstieg hervorgerufenen zusätzlichen Abwasserzuströme; die Investitionen in Kläranlagen sind nicht ausreichend.

Nach den hier aufgezeigten Ergebnissen zu urteilen wird nicht angestrebt, die von der Europäischen Union vorgegebenen Ziele zu erreichen, da die regierenden Kräfte nicht wussten oder nicht wollten, dass die von der gültigen Gesetzgebung geforderten Mindestqualitätsmerkmale der Küstengewässer erreicht werden. Sie bewiesen so ihre Untätigkeit und Inkompetenz in einer Materie von so großem öffentlichen Interesse.

Deshalb beantragt Ecologistas en Acción eine dringende Aufnahme der hier bestehenden Problematik in die Pläne der verschiedenen Verwaltungen der Küstengebiete. Und um ihnen die Arbeit zu erleichtern und bei der Verbesserung dieser Situation zu helfen schlagen wir dringende Maßnahmen vor:

-  Ein Moratorium für Städtebau an der Küste, bis eine wirkliche Studie über die Belastungsfähigkeit des Gebietes durchgeführt ist, in der wahrheitsgemäß die Beeinträchtigung der Landschaft, Zerstörung und Erosion, der Verlust der Vegetationsdecke und vor allem die realen und verfügbaren Wasserressourcen analysiert werden.

Dies alles kann nicht durchgeführt werden ohne eine Studie über Einflüsse auf die Umwelt (EIA), die von Firmen und Verwaltungen gefordert werden, und die eine Bewertung durch die Umweltbehörden beinhalten muss, sehr viel rigoroser und ernsthafter als die derzeitig durchgeführte, die für die Betreiber nur einen Verwaltungsvorgang von vielen bedeutet.

-  Ein Moratorium über neue Sporthäfen an der Küste bis ein Plan für Hafenbau, mit Zustimmung der kompetenten Verwaltungen, besonders der Generaldirektion für Küstengebiete des Umweltministeriums und der verschiedenen für Umweltschutz in den Autonomien zuständigen Stadträte, unter Beteiligung von Institutionen wie dem Spanischen Institut für Ozeanographie, Universitäten, Fischerverbänden, Naturschutzverbänden etc., eingesetzt ist.

-  Kontrollierter Rückbau in den Küstenstädten. Zur Ordnung der ansässigen Wirtschaft und der Siedlungen.

-  Es ist dringend ein Plan zur Abwasserentsorgung mit deutlichen Zielen, definierten Maßnahmen und ausreichenden Investitionen notwendig, die gewährleisten, dass die Infrastrukturen zur Klärung und Säuberung des Wassers die vom Gesetz aufgestellten Anforderungen an die Wasserqualität erfüllen.

-  Zur Genehmigung neuer Pläne zur Bodenordnung vor dem Bau neuer Wohnanlagen wird der gleichzeitige und effektive Bau von Infrastrukturen zur fachgerechten Abwasserklärung gefordert.




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